Ukraine Recovery Conference 2025 Spotlight on: Nachbesprechung der URC 2025
Mehr als 4.000 Teilnehmende, eine starke Präsenz von Privatsektor, Zivilgesellschaft – darunter auch aus der ukrainischen Diaspora – Wissenschaft und Kommunen und ein gemeinsamer Blick nach vorn: Die diesjährige Ukraine Recovery Conference 2025 wird von den Referent*innen als großer Erfolg bewertet.
Dr. Ulrike Hopp-Nishanka (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BMZ (Externer Link)) nennt den European Flagship Fund (Externer Link) als zentrales Ergebnis der Konferenz. Dieser wird der weltweit größte Eigenkapitalfonds zur Unterstützung des Wiederaufbaus sein und zusammen mit dem Privatsektor Investitionen in Energie, Verkehr, kritische Rohstoffe und duale Industrien anstoßen.
Sie verweist darauf, dass die Organisator*innen der diesjährigen URC die vier Berliner Dimensionen (Business, Human, Local und EU) übernommen hatten und damit die wertvolle Arbeit aus dem vergangenen Jahr kraftvoll fortgeführt werden konnte. Sie betont auch den starken Fokus der Konferenz auf die „3 Rs“: Resilience, Reforms und Recovery. Und schließlich erwähnen sie auch die starke Präsenz von Kommunen, die ihre bedeutende Rolle beim Wiederaufbau der Ukraine spiegelt. In Deutschland gibt es bereits über 250 kommunale Partnerschaften mit der Ukraine. Seit dem Berlin Call to Action auf der URC 2024 hätten sich weltweit über 400 neue kommunale Partnerschaften mit der Ukraine gebildet.
Damit noch mehr Partnerschaften entstehen wurde der European Partnership Hub, auf der URC 2025 angekündigt.
Laut Dr. Urs Engels (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, BMWE (Externer Link)) hat die URC deutlich gezeigt, dass der wirtschaftliche Wiederaufbau wieder ins Zentrum gerückt ist. Insgesamt handele es sich beim Wiederaufbau der Ukraine nicht nur um einen Akt der Solidarität, sondern auch um eine strategische Frage für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit. Er nennt Energie, Rohstoffe, Maschinenbau und Verteidigung. Wirtschaftsnahe Themen, die auf der URC 2025 im Fokus standen und durch Messestände deutscher Unternehmen wie ARX, Bayer, Notus, Rehau und Siemens unterstrichen wurden. Das Interesse des Privatsektors, in der Ukraine aktiv zu werden oder das Engagement auszubauen, bliebe auch trotz der andauernden russischen Angriffe hoch. Dennoch müsse eines klar sein: „Ohne Sicherheit kann es keine nachhaltige Investition geben. Sicherheit ist nicht nur eine nötige Rahmenbedingung, sondern muss im Zentrum des Wiederaufbaus stehen.“
Ein bewegender Moment ist der Hinweis aus der Teilnehmerschaft auf die anhaltenden Angriffe seitens Russlands: Noch am Tag der Konferenz wurde unter anderem Odessa stark bombardiert – eine drastische Erinnerung daran, dass Wiederaufbau und Verteidigung untrennbar miteinander verbunden sind.
Dr. Mathias Roth (Auswertiges Amt, AA (Externer Link)) teilt seine Erfahrungen: Er verweist auf die Reihe hochrangiger Veranstaltungen der letzten Monate wie den G7-Gipfel in Kanada, den NATO-Gipfel in Den Haag und das Treffen des Europäischen Rats in Brüssel. Die Ukraine war bei diesen Treffen zwar auf der Agenda, stand aber nicht im Zentrum. Die URC 2025 habe stark dabei geholfen, den Fokus wieder verstärkt auf die Ukraine und deren Bedarfe für den Wiederaufbau zu lenken. Zudem sei die URC mittlerweile zu einer wichtigen Plattform für eine Vielzahl an zusätzlichen Gesprächsformaten zur Koordinierung der Unterstützungsleistungen geworden. An der Stelle nennt er beispielhaft das Treffen der G7+ Ukraine Energy Coordination Group, die sich unter anderem zum Winter 2025/2026 ausgetauscht habe.
Er bewerte auch positiv, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eine starke Sichtbarkeit auf der Konferenz hatten. Insgesamt, so Roth, sei die URC angesichts des großen Teilnehmerkreises ein sehr guter Ort für ein breites Publikum, um sich direkt mit ukrainischen Ansprechpartner*innen auszutauschen, ihre konkreten Bedarfe zu erfahren und sich über die vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten mit ukrainischen Partner:innen zu informieren.
Kräfte bündeln, Synergien schaffen: Die einzelnen Themen vernetzen
Neben den Vertreter*innen deutscher Ressorts sprechen auch Inna Pidluska (International Renaissance Foundation) und Daniel Sebastian Müller (Siemens AG) über ihre Erfahrungen aus Sicht der Zivilgesellschaft und des Privatsektors.
Inna Pidluska hat bereits an vier URCs teilgenommen und lobt die zunehmende Beteiligung nicht- und substaatlicher Akteur*innen, unter anderem aus der Zivilgesellschaft und kleineren ukrainischen Städten. Gleichzeitig betont sie die Notwendigkeit weiterer Reformen, die die Ukraine näher an die EU heranführen und die integrative lokale Entwicklung, Partizipation, Umwelt- und Klimafragen noch stärker in den Vordergrund rücken. Eines ihrer zentralen Anliegen, das sich auch im Veranstaltungschat widerspiegelt, ist die stärkere Vernetzung verschiedener, zunächst nicht zusammenhängender Themen. So ist es notwendig und sinnvoll, dass Vertreter*innen aus Stadtplanung, Architektur, Kultur, Wirtschaft und Kommunen zusammenkommen, um den Wiederaufbau besser, grüner und nachhaltiger zu gestalten. Sie erwähnt auch das ukrainische Kulturerbe, das Menschen verbindet und ihnen Kraft gibt.
Daniel Müller (Siemens AG) stellt im Vergleich zum vergangenen Jahr gesteigertes Interesse im Privatsektors fest. Auch inhaltlich habe sich das Recovery Forum zu 2024 unterschieden: Die Gespräche mit den Vertreter*innen des Privatsektors waren im Vergleich zum Vorjahr sehr viel konkreter und spezifischer. Er betont zudem die zahlreichen hilfreichen Interaktionen auch mit anderen Akteursgruppen, sei es auf Panels oder im direkten Austausch mit Politiker*innen oder auch Kommunen aus der Ukraine. Bei all den positiven Erfahrungen empfiehlt er den Organisator*innen der nächsten URC, das Recovery Forum als Sammelpunkt des Privatsektors noch stärker mit der politischen Ebene zu verweben, sowohl inhaltlich wie auch bezüglich der tatsächlichen Verortung im Konferenzzentrum.
Road after URC 2025
Wie geht es nun weiter? Die zahlreichen Fragen aus der Teilnehmerschaft zeigen klar, dass die Prozesse nach der URC 2025 akteursgruppen-übergreifend vorangetrieben werden müssen. Dr. Ulrike Hopp-Nishanka erwähnt an der Stelle die Möglichkeiten, sich damit auf der Plattform Wiederaufbau Ukraine einzubringen. Über die Mitkonzeption von Veranstaltungen, die Teilnahme an bereits geplanten Formaten, individuelle Beratungen oder die Nutzung der geschlossenen LinkedIn-Gruppe der Plattform gebe es bereits viele Optionen.
In dem Zuge fällt auch die Arbeit der Plattform Build Ukraine Back Better (Externer Link), mit der die Plattform Wiederaufbau Ukraine schon in mehreren Fachveranstaltungen zur sinnvollen Nutzung von Bauschutt und Zweitverwendung von Materialien wie Stahltreppen und Ziegelsteinen (Link (Externer Link)) kooperiert hat.
Die Veranstaltung schließt mit einem klaren Appell: Der Wiederaufbau der Ukraine erfordert nicht nur Kapital und Planung – sondern Zusammenarbeit, Lernbereitschaft und den Mut, neue Wege zu gehen. Oder, wie es Moderation Nataliya Pryhornytska formuliert: „Die Verteidigung und der Wiederaufbau der Ukraine ist eine gemeinsame Verantwortung Europas.“