Plattform Wiederaufbau Ukraine

Die Plattform bei Cafe Kyiv 2026 Ein Tag ganz im Zeichen der Solidarität mit der Ukraine

Wenn Sicherheitsfragen auf Moore treffen, knappe Budgets auf sozialunternehmerische Lösungen und Medienkompetenz auf Cyberbedrohungen, dann war die Plattform Wiederaufbau Ukraine wieder bei Cafe Kyiv dabei.

Am 23. Februar 2026 drehte sich alles um die Solidarität mit der Ukraine, die von Russland täglich angegriffen wird. Und es ging um Lösungen, kreative Ideen und Engagement für die Ukraine.

Die Unterstützung der Ukraine durch Deutschland zeigte sich auch durch die Teilnahme von Bundeskanzler Friedrich Merz an der Veranstaltung. In seiner Eröffnungsrede stellte er klar: „Russland zeigt keine Bereitschaft zum Frieden. Dieser Krieg wird erst enden, wenn Russland ihn nicht mehr finanzieren kann. Deshalb müssen wir der Ukraine ermöglichen, einen dauerhaften und gerechten Frieden zu erreichen.“

Foto von einem stehenden Mann, der einer sitzenden Frau die Hand schüttelt.

Bundeskanzler Friedrich Merz am Stand der Plattform Wiederaufbau Ukraine auf dem Cafe Kyiv.

Bundeskanzler Friedrich Merz am Stand der Plattform Wiederaufbau Ukraine auf dem Cafe Kyiv.

Die Plattform Wiederaufbau Ukraine war bereits zum dritten Mal bei der Großveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Berlin vertreten.

In diesem Jahr richteten wir zusammen mit mehreren Kooperationspartner*innen drei Panels aus und boten neben einem Informations- und Netzwerkstand einen Media Literacy Playground in Kooperation mit der DW Akademie an.

Als Kooperationspartnerin der KAS haben wir Kinosaal 9 auch für weitere Akteur*innen und ihre Themen geöffnet. Bei der Veranstaltung „Child and Youth Participation in Ukraine's Recovery and Reconstruction“ der Kindernothilfe e.V. war neben ukrainischen Jugendvertreter*innen auch Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan zu Gast – und fand deutliche Worte zur verbindlichen Einbindung junger Menschen in Wiederaufbauprozesse: „Damit der Wiederaufbau gelingt, kommt es auch darauf an, den Gestaltungswillen und die Stärke der Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen und Ihnen eine Rolle beim Wiederaufbau zu geben. Denn sie sind die Zukunft der Ukraine.“

Fördermöglichkeiten für Ukraine-Geschäfte: Unterstützungsportfolio für deutsche Unternehmen


Im Workshop zu Fördermöglichkeiten für Ukraine-Geschäfte mit Germany Trade & Invest (Externer Link) gaben wir den 70 Teilnehmenden einen kompakten Überblick über das Unterstützungsportfolio für deutsche Unternehmen, die in der Ukraine investieren oder dorthin exportieren wollen.
Den Auftakt machte Gerlind Heckmann, Unterabteilungsleiterin für Außenwirtschaftsförderung im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) (Externer Link). In ihrer Eröffnungsrede betonte sie die langfristigen Marktchancen eines frühen Engagements. Heike Freimuth, Senior Advisor im Deutschlandbüro der Europäischen Investitionsbank (Externer Link), zeigte anschließend die Business-Dimensionen der EU-Hilfen für die Ukraine auf.
Im interaktiven Workshop-Teil erörterten Expert*innen von Euler Hermes (Externer Link), PricewaterhouseCoopers (Externer Link) und DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (Externer Link) gemeinsam mit den Teilnehmenden die konkreten Einsatzmöglichkeiten der Förderinstrumente der Bundesregierung.

Drei Beispielengagements – von Export über Direktinvestition bis hin zum Joint Venture – machten greifbar, wie das Programm develoPPP zur Stärkung von Lieferketten, Aftersales-Strukturen sowie der Mitarbeiteraus- und -weiterbildung beitragen kann.
Zusätzlich wurde der Beitrag des DEG-Finanzierungsprogramms UkraineConnect für den Präsenzausbau deutscher Unternehmen in der Ukraine herausgearbeitet, das Absicherungspotenzial der Exportkreditgarantien beleuchtet und Einblicke in die Investitionsgarantien gegeben – Instrumente, die politische und kriegsbedingte Risiken für Handelsgeschäfte abfedern können.

Natural Defences: Wie Landschaften Sicherheit und Resilienz stärken

Licht, Kamera, Action: unser Panel in Kooperation mit der Build Ukraine Back Better (BUBB) Platform (Externer Link) widmete sich der Frage, wie natürliche Landschaften – insbesondere Moore – die nationale Sicherheit, lokale Gemeinschaften und Klimaziele in der Ukraine und Osteuropa stärken können. Die Veranstaltung begann mit Ausschnitten aus dem Dokumentarfilm „Natural Border“, der von Suspilne, dem ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunksender, zusammen mit der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft und der Michael Succow Stiftung produziert wurde.

Der Film beleuchtet die historische Bedeutung von Mooren: Während sie in Kriegszeiten als natürliche Barrieren dienen, werden sie in Friedenszeiten oft trockengelegt – mit gravierenden Folgen für das Klima und die Sicherheit. Intakte Moore können nicht nur Kohlenstoff speichern und Wasser schützen, sondern auch als natürliche Hindernisse für militärische Bewegungen wirken. Drainierte Moore setzen hingegen Emissionen frei und erhöhen das Risiko von Bränden und Dürren.


Die anschließende Podiumsdiskussion mit Olga Denyshchyk (Michael Succow Stiftung (Externer Link)/ Greifswald Moor Centrum (Externer Link)), Andreas Beckmann (WWF Central and Eastern Europe (Externer Link)) und Dr. Anastasiia Splodytel (Technische Universität Braunschweig (Externer Link)) zeigte, dass Moore als „Low-Tech-Verteidigungsinfrastruktur“ fungieren. Sie seien multifunktional und kostengünstig im Vergleich zu klassischen Befestigungen. Als besonders eindrückliches Beispiel wurde die Überflutung des Irpin-Flussbeckens zu Beginn der russischen Vollinvasion 2022 genannt: Die entstandenen Feuchtgebiete verlangsamten den Vormarsch russischer Truppen auf Kyjiw.

Doch die Wiedervernässung von Mooren ist komplex. Jahrzehntelange Trockenlegung für Landwirtschaft, Torfabbau und Bernsteinbergbau haben das Wissen um die Renaturierung von Mooren in der Ukraine fast verschwinden lassen. Aktuell fehle es an Institutionen, die sich für den Schutz von Mooren einsetzen – und an politischer Priorisierung. Die Expert*innen verwiesen dabei auf die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (Externer Link), die Mitgliedstaaten verpflichtet, bis 2030 30 Prozent und bis 2050 50 Prozent der degradierten Ökosysteme – einschließlich Moore – wiederherzustellen. Für die Ukraine, die nicht Teil der EU ist, stellt sich die Frage, wie solche Projekte wirtschaftlich tragfähig gestaltet werden können, insbesondere unter Kriegsbedingungen.

In der Diskussion wurde zwischen den Expert*innen, Moderatorin Anna Ackermann (International Institute for Sustainable Development (Externer Link) / Build Ukraine Back Better Platform) und den Teilnehmenden klar, dass Pilotprojekte zur Wiedervernässung von Mooren in der Ukraine dringend benötigt werden. Diese könnten:
- das verlorene Wissen und die technische Expertise wiederaufbauen,
- die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Vorteile aufzeigen,
- das öffentliche und politische Bewusstsein schärfen und
- die Zusammenarbeit zwischen ukrainischen und internationalen Expert*innen stärken.

Letztlich sei eine enge Kooperation mit EU-Institutionen und globalen Partner*innen entscheidend, um die Bodensanierung und eine widerstandsfähige Landschaftsgestaltung in der Ukraine voranzutreiben.

Financing 2.0: Neue Finanzierungsmodelle jenseits staatlicher Haushalte

Im dritten Panel widmeten sich die Referent*innen der Frage, wie der Wiederaufbau der Ukraine trotz sinkender staatlicher Budgets finanziert werden kann. Moderiert von Olha Kotska (Commit gGmbH (Externer Link)) diskutierten Mariia Ksondzyk (NESEMOS Veteran Auto Hub (Externer Link)), Daria Rybalchenko (National Network of Local Philanthropy Development (Externer Link)) und Markus Lux (Robert Bosch Stiftung (Externer Link)) über mehrere innovative Ansätze.

Die Referent*innen betonten, dass sinkende staatliche Budgets zu zunehmender finanzieller Unsicherheit für Unternehmen und Initiativen führen. Erfolgreiche nicht-staatlich finanzierte Projekte zeichneten sich durch eine starke Verankerung im lokalen Kontext, eine Diversifizierung der Risiken auf mehrere Investitionsstränge und die Zusammenarbeit mit – nicht aber die Abhängigkeit von – internationalen Partner*innen aus. Die Politik sei gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, etwa durch die Stärkung des Bankensektors und der Justiz sowie durch Absicherungsinstrumente.

Im Zentrum der Veranstaltung stand das „Social Impact Bond“-Modell, das Investitionen an soziale Erfolge knüpft. Markus Lux stellte den Pilotversuch in Wosnessensk vor, der zeigt, wie ukrainische Steuerregelungen und deutsche Philanthropie-Vorschriften trotz ihrer Einschränkungen innovative Lösungen ermöglichen können. Wie er betonte, könnten in manchen Situationen „zwei Minuszeichen ein Plus ergeben“.


Weitere Praxisbeispiele: Lokale Initiativen und internationale Partnerschaften


Mariia Ksondzyk präsentierte den NESEMOS Veteran Auto Hub, der aus einer ehrenamtlichen Initiative zur Reparatur von Militärfahrzeugen hervorgegangen ist. Heute finanziert sich das Unternehmen über vier Säulen: Spenden für Frontfahrzeuge, Zuschüsse, kommerzielle Reparaturen und Investitionen.

Daria Rybalchenko erläuterte, wie das National Network of Local Philanthropy Development Gemeinschaftsstiftungen etabliert, um lokale Philanthropie zu fördern.

Unter anderem hat sie den Ukraine Pooled Fund aufgebaut, der Geber*innen den Zugang zu lokalen Finanzierungen und lokalen Organisationen den Zugang zu nachhaltigen Finanzierungen vereinfachen soll.

Die Diskussion machte deutlich, dass die resilientesten Lösungen oft von lokalen Akteur*innen ausgehen. NESEMOS, Gemeinschaftsstiftungen und der Ukraine Pooled Fund zeigen, wie bedarfsorientierte, lokal verankerte Arbeit auch unter Unsicherheit tragfähig und skalierbar ist.

Informations- und Netzwerkstand: Begegnungen und Medienkompetenz



Am Informations- und Netzwerkstand der Plattform Wiederaufbau Ukraine gab es ganztägig zahlreiche inspirierende Begegnungen. Interessierte besuchten den Stand, um sich über die Arbeit der Plattform und des Netzwerks zu informieren. Gefragt waren auch Informationen zu aktuellen Projekten und Möglichkeiten, sich im Wiederaufbau zu engagieren.

Media Literacy Playground: Cybersecurity für Jugendliche

Ein weiterer besonderer Programmpunkt war der Media Literacy Playground, den wir gemeinsam mit der DW Akademie (Externer Link) anbieten konnten. Antonina Ria, Liliia Shutiak, Lukas Hansen und Olena Vysokolian präsentierten den zahlreichen Besucher*innen das Minecraft-Spiel „Cyber Smart City“ und die TikTok-Serie „Trust Me“, die sich an Jugendliche richten und Themen wie Cybersicherheit und Cybermobbing aufgreifen.

„Das Internet kann gefährlich sein – besonders in Kriegszeiten und ganz besonders für Teenager. Deshalb ist es so wichtig, sie auf ihren Plattformen und in ihrer Sprache zu erreichen“, betonen Ria und Shutiak.

Mit den interaktiven Formaten haben wir gezeigt, wie Medienkompetenz spielerisch vermittelt werden kann – ein zentraler Baustein für den Schutz vor Desinformation und digitalen Bedrohungen.

Wir danken allen Beteiligten und Teilnehmenden von Cafe Kyiv 2026 für ihr großes Engagement und ihr Interesse.

Stand: 07.05.2026